Premium-Sound auf die Ohren!

Fußgänger mit Kopfhörer: Eine Gefahr im Straßenverkehr?

Ob MP3-Player, iPod, iPhone oder andere Geräte, die Musik abspielen können, sie gehören in das Leben vieler Menschen. Ein Großteil der Menschen heute hört ununterbrochen Musik, sei es auf dem Weg zur Arbeit im Auto, im Bus oder auf dem Fahrrad. Dass sie dabei zu gefährlichen Verkehrsteilnehmern werden, ist Vielen nicht bewusst.

Kopfhörer sind heute absolute Statussymbole. Jederzeit kann man Musik genießen, egal wo man sich befindet – auch im Verkehr. Gefährlich wird es dann allerdings nicht nur für Auto- und Radfahrer, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Fußgänger bewegen sich schließlich ohne Helm und Knautschzone voran. Statistiken zeigen, dass Jugendliche für zwei Drittel aller Unfälle mit Stöpseln im Ohr verantwortlich sind. Nahezu 90 Prozent der Unfälle geschehen in Städten.

Mit Ohrstöpseln hört man Fahrzeuge zu spät

Wie gefährlich die Kopfhörer sein können, zeigt ein Versuch von Experten. In dem Praxis-Test mussten Freiwillige mit einer Hand signalisieren, ab welcher Distanz ein Schulbus gut zu hören war. Dies geschah ohne Kopfhörer bei etwa 100 Metern. Erschreckend ist der Text mit Kopfhörern. Ein Junge reagierte erst, als der Bus bereits hinter ihm durchfährt.

Diesen gefährlichen Test sollte niemand selbst ausführen, das ist aber auch nicht nötig. Der Test lässt sich zu Hause replizieren. Dazu können Interessierte über die Lautsprecher ihres Soundsystems oder Computers Verkehrsgeräusche ausgeben. Das Ergebnis: Das Ohr kann seinen Besitzer nicht rechtzeitig vor potenziellen Gefahren warnen. Zwar können Menschen ihre Augen schließen, die Ohren allerdings nicht. Das Ohr hat für das alltäglich Leben eine lebenswichtige Bedeutung.

Überblendung von Verkehrsgeräuschen

Wie lässt es sich erklären, dass ein Bus, oder jedes andere Fahrzeug, selbst aus wenigen Metern Entfernung akustisch nicht mehr wahrnehmbar ist? Der Grund ist simpel: Auf das Ohr treffen zwei akustische Reize, der eine überlagert dabei den anderen – die Musik übertönt also den Verkehr. Die Töne sind natürlich physikalisch vorhanden und gelangen auch ins Ohr, das Innenohr ist allerdings nicht in der Lage, die leisen Töne zu verarbeiten. Somit ist es nicht zwingend ein Problem der Lautstärke, sondern eine allgemeine Erschwernis.

Das Problem ist den Menschen bewusst, viele von ihnen hatten bereits einen „Beinahe-Unfall“. Dennoch hören sie weiter Musik. Sie leben getreu dem Motto „Mich wird es ohnehin nicht erwischen“.

Kopfhörer-Verbot für Fußgänger

Weil viele Menschen so unvorsichtig mit ihrem Leben umgehen, möchte der CSU-Politiker Peter Ramsauer Kopfhörer im Straßenverkehr verbieten. Der Grund dafür ist die bewusste Gefahr und steigende Zahlen bei Verkehrstoten. Viele Fußgänger werden von der Musik abgelenkt und sie werden unvorsichtig. Für Rad- und Autofahrer sind Ohrstöpsel bereits verboten (Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung). Statistiken sprechen für das gewünschte Verbot: Im Jahr 2011 starben 3.900 Menschen im Straßenverkehr – die höchste Zahl seit 20 Jahren. Bei den Fußgängern stiegen die Opferzahlen um 25 Prozent dramatisch an. Wann und ob das Kopfhörer-Verbot kommt, ist fraglich. Derweilen appelliert die Polzei an die Bundesbürger, auf Kopfhörer im Straßenverkehr zu verzichten. Gerade Auto- und Radfahrer riskieren Strafgelder.

Argument: Früher gab es auch Walkmans

Das Gegenargument der Musikhörer ist, dass es Walkmans seit mehr als 30 Jahren gibt. Folglich müssten sie schon immer ein lebensgefährliches Utensil gewesen sein. Das ist allerdings so nicht richtig, denn vor 30 Jahren gab es nicht eine vergleichbar große Verkehrsdichte. Es gab keine Elektroautos, die man selbst ohne Musik fast nicht hören kann. Der Stress war geringer, weil man nicht stundenlang in Staus feststeckte.

Die Lösung

Dass ein Verbot häufig nichts bringt, beweisen viele Beispiele im täglichen Leben. Autofahrer telefonieren weiterhin gerne am Steuer, Fahrradfahrer halten sich nur selten an das Rechtsfahrgebot. Deshalb ist ein Verbot der Kopfhörer wohl nicht die beste Lösung. Stattdessen sollten Politiker eine bundesweite Aufklärkampagne starten. Auch Versicherungen können dem Trend ein Ende setzen, in dem sie bei einem durch Kopfhörer verschuldeten Unfall Leistungen streichen oder Beiträge erhöhen. Abgesehen von diesen Maßnahmen sollte jeder Mensch an seine eigene Gesundheit denken. Deshalb gilt: Ohrstöpsel und Kopfhörer nur dann tragen, wenn man sich nicht im Straßenverkehr befindet, also in der U-Bahn, im Bus, in der Straßenbahn oder als Beifahrer im Auto.

Als Autofahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger sollte man auf das Musikhören verzichten, um sein eigenes und das Leben seiner Mitmenschen nicht zu gefährden.